Boris

 
Boris

Boris ist ein alternder Soldat, der keine Erinnerungen an eine Zeit vor dem seit 45 Jahren andauernden Krimkrieg besitzt. Im Alter von 6 Jahren zog er zum ersten Mal eine Uniform an und legte sie nie wieder ab. Kämpfen, Gehorchen und Hungern sind die einzigen Daseinszustände, die er kennt. Für ihn sind sie so natürlich wie der frühe Tod in der Schlacht … oder fast so natürlich. Denn Boris überlebt, während kaum einer seiner Kameraden das dritte Dienstjahr erreicht.

So viel Glück macht unbeliebt.

Als er 48 Jahre alt ist, wählt man ihn zusammen mit hundert anderen aus, um einem Experiment als Testobjekt zur Verfügung zu stehen. Heimlich ins Land geschleuste Quantenmagier haben den Auftrag, eine unbesiegbare Armee aus Blauen Kriegern zu erschaffen – Soldaten, die halb Mensch und halb Maschine sind. Der Großteil der Versuchspersonen stirbt an den Folgen der Operationen, in denen ein Teil der Knochen durch Metallkonstruktionen ausgetauscht werden; der Rest, nachdem ihr Nervensystem mit der rätselhaften blauen Kartusche verbunden wird, die die Mechanik mit Energie versorgen soll. Doch auch diesmal überlebt Boris – als einziger. Von dem Erfolg beflügelt, amputieren die Quantenmagier seinen rechten Arm und tauschen ihn durch einen künstlichen aus.

An dem Tag, an dem das Ergebnis der Heeresführung präsentiert werden soll, offenbart sich durch Zufall der gravierende Fehler der Konstruktion: In der Strenge der russischen Winter friert das Metall fest und verdammt den Blauen Krieger zur Bewegungslosigkeit. Man gibt das Projekt auf und schickt Boris zurück zu seiner Kompanie.

Boris mag die Veränderungen nicht, die man an ihm vorgenommen hat, aber er käme nie auf die Idee, sich zu beklagen. Er war nie etwas anderes als Soldat, seine Existenz gehört dem Zaren, und Boris ist der Treueste seiner Untertanen. Müsste er das Dasein in einem Satz zusammenfassen, würde dieser lauten: „Lang lebe der Zar!“

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